Canon EOS 5D Mark II - geeignet für die professionelle Video-Produktion?
22. Januar 2009 | Von admin | Kategorie: Canon EOS 5D Mark II, VideoViel wurde bereits geschrieben über die Video-Funktion der Canon EOS 5D Mark II. Auf der Site von Film-TV-Video findet sich jetzt ein neuer Bericht, der erstmals die Praxistauglichkeit der 5DM2 bei professionellen Video-Produktionen untersucht.
Eingesetzt wurde die 5DM2 zum Dreh eines Musik-Videos, das sich derzeit noch in der Post-Production befindet und im Februar erstmals ausgestrahlt werden soll. (Es handelt sich um das Video zum Song “Streit” der Sängerin Jana Leipziger.)
Hier die Erkentnisse der Filmmacher:
Das (für im Vergleich zu professionellen Video-Kameras) geringe Gewicht der 5DM2 erweist sich erwartungsgemäß bei der Vdeo-Produktion als eher störend: Bei Drehs aus der Hand ist die Verwacklungsgefahr aufgrund der geringen Massenträgheit einfach sehr groß. Nicht nur aus diesem Grund wurde die 5DM2 für den Dreh auf einem Video-Rig der Firma Redrock montiert - leider eine Lösung, die sich für Amateure aus finanziellen Gründen (über 2.000 US-Dollar) wohl eher verbietet.
Beim Dreh kam zur Bildkontrolle ein externes TFT-Display zum Einsatz, das per HDMI an die Kamera angeschlossen wurde. Damit bestätigen die Profis indirekt eine Erfahrung, die ich schon in den ersten Tagen mit der 5DM2 machen konnte: So brillant und groß (für DSLR-Verhältnisse) das Display der 5DM2 sein mag: für die Kontrolle der Bildschärfe während des Drehens reicht es leider nicht aus. Hier sollte Canon zumindest mit einem Software-Update nachhelfen, das die gleichzeitige Kontrolle des Bildausschnitts und der Scharfstellung durch eine Bild-in-Bild-Funktion während laufender Aufnahme ermöglicht. Für ein externes Display spricht allerdings auch dann die Tatsache, dass das eingebaute Display in Lage und Neigung nicht verändert werden kann, was abweichende Aufnahmepositionen fast unmöglich macht.
Begeistert zeigten sich die Film-Profis von der hohen Lichtempfindlichkeit der 5DM2, die sich allerdings auch als tückisch erweisen kann: Früher oder später tritt dann doch ein Bildrauschen auf, das man während des Drehs oftmals noch nicht erkennt und erst im Anschluss merkt, dass das Material mehr oder minder unbrauchbar ist.
Ebenso große Begeisterung kam in Anbetracht der verfügbaren Objektiv-Vielfalt auf: Hier nutzre das Team insgesamt vier Fest- beziehungsweise Zoom-Brennweiten. Fokusiert wurde manuell, die Fokus-Automatik erwies sich aufgrund von Falschfokusierungen und Pumpen aus Sicht der Profis als unbrauchbar. Dafür war man mit Bildqualität und Dynamikumfang der Aufnahmen hochzufrieden. Allerdings: Bei der Wiedergabe der Videos via Quicktime vermissten die Profis Details und Zeichnungstiefe, die im HDMI-Signal definitiv vorhanden sind - es bleibt abzuwarten, ob sich diese Beobachtungen an anderer Stelle bestätigen und wo die Ursachen liegen.
Die Tonaufnahme erledigten die Filmemacher erwartungsgemäß mit einem separaten Audio-Recorder, die Synchronisation erfolgte klassisch per Filmklappe. Die Verwendung der Audio-Funktion der 5DM2 kam nicht infrage, weil diese immer automatisch aussteuert - bleibt zu hoffen, dass dieses Verhalten nicht “fest verdrahtet” ist, sondern sich ebenfalls per späterem Software-Update beheben lässt.
Die von der 5DM2 angebotene Bildfrequenz von 30 Frames pro Sekunde, die in Europa eigentlich anfällig für das Flackern von Kunstlicht sein müsste, erweist sich als erstaunlich unproblematisch - und das gerade im Vergleich zur Nikon D90, die mit 24 Frames pro Sekunde bei der Video-Aufzeichnung eigentlich besser an das deutsche Stromnetz (50 Hertz) “angepasst” ist. Dennoch ist die Bildfrequenz der 5DM2 für professionelle Produktionen eher hinderlich, da diese für die Distribution in Europa so oder so auf 24 Frames pro Sekunde umgerechnet werden müssen.
Als größtes Manko jedoch sahen die Filmprofis die fehlenden Einflussmöglichkeiten auf Empfindlichkeit, Blende und Belichtungszeit im Video-Modus an. Während man beim Fotografieren mit der 5DM2 (selbstverständlich) alle Parameter manuell steuern kann, muss man sich beim Filmen komplett auf die Automatik verlassen. Nur mit Tricks lässt sich die Belichtung beeinflussen - die Möglichkeit zum expliziten Bestimmen der Blende und damit der Schärfentiefe fehlt jedoch auch dann noch. Mit einem Software-Update sollte dieses Manko eigentlich noch zu beheben sein.
Nichtsdestotrotz waren die Tester im Gesamtergebnis begeistert und wünschen sich mehr (Video-)Kameras mit großen CMOS-Sensoren. Bleibt abschließend zu hoffen, dass Canon zügig auf diese und andere Praxis-Erfahrungen von Video-Profis reagiert und all das, was per Software-Update zu verbessern ist, auch zeitnah verbessert - und die Erkenntnisse nicht erst in neue Modelle einfließen lässt.