Ein Plädoyer für das RAW-Format
22. Januar 2009 | Von admin | Kategorie: Allgemeines, RAW-FormatWer die Möglichkeiten einer 21-Megapixel-Vollformat-DSLR wie der EOS 5D Mark II auch nur annähernd ausreizen möchte, braucht nicht nur hochwertige Objektive, sondern auch die Bereitschaft, sich mit dem RAW-Format auseinanderzusetzen. Ok, das macht mehr Arbeit als das Nachbearbeiten von JPEGs - aber die Zeit ist gut investiert.
Die von der Canon EOS 5D Mark II erzeugten JPEGs sind mit 5 bis 8 Megabyte Dateigröße schon recht voluminös und bieten einen durchaus passablen Detailgrad. Weshalb also der zusätzliche Aufwand, sich mit den 25 MByte großen RAW-Dateien der 5DM2 zu befassen? Der entscheidende Grund: der höhere Dynamikumfang des RAW-Formats.
Ein praktisches Beispiel konnte ich gleich am zweiten Tag mit meiner 5DM2 erleben: Ein Schwanenpaar bei intensiver Wintersonne auf einer dunklen Wasserfläche, das sich zudem noch schnell bewegte und dementsprechend ein langes Experimentieren mit der optimalen Belichtung unmöglich machte. Die Kamera gab sich redlich Mühe, den hohen Kontrast ins JPEG-Format zu retten, das Ergebnis konnte aber gerade in den hellen Flächen nicht überzeugen.
Aus der RAW-Datei waren schnell zwei Varianten “belichtet”: eine mit normaler Ausleuchtung und eine mit maximaler Zeichnung des Gefieders. In Photoshop auf zwei Ebenen binnen weniger Minuten zusammenmontiert, ergab sich eine Aufnahme, die dem von der Kamera berechneten JPEG sichtbar überlegen ist.
Noch deutlicher wird das Scheitern der JPEG-Engine bei Gesichtern in extrem kontrastreichen Settings: In solchen Situationen passiert es regelmäßig, dass die Gesichtsfarben zu kontrastreich, zu bunt und schlicht unnatürlich erscheinen. Im JPEG-Format ist eine solche Aufnahme nicht mehr zu retten, durch sorgfältige Belichtung der RAW-Datei aber sehr wohl.
Hier ein Beispiel, zunächst das Gesamtbild zur Verdeutlichung der Belichtungsproblematik (schwarzer Mantel, heller Hintergrund und Schnee):

Und nun 100-Prozent-Crops im RAW-/JPEG-Vergleich:



Ich denke, die Bilder sprechen für sich.
Verwendet man zur “Entwicklung” der RAW-Dateien den von Canon mitgelieferten Konverter, ist der Workflow ein wenig umständlich: Zunächst erzeugt man mit Hilfe des RAW-Konverters eine TIFF-Datei, bearbeitet diese dann zum Beispiel in Photoshop und wandelt sie anschließend (z.B. zur Veröffentlichung im Web) ins JPEG-Format. Am Rande bemerkt: Der Canon-Konverter erzeugt unkomprimierte TIFFs, die entsprechend groß ausfallen. Im Rahmen der Bearbeitung kann man die Dateigröße durch Speichern als (verlustfrei) komprimiertes TIFF deutlich reduzieren.
Noch ein abschließender Tipp: Es hat sich bewährt, die Kamera JPEGs und RAWs parallel aufzeichnen zu lassen. Die JPEGs lassen sich schnell und einfach mit einem beliebigen Viewer anzeigen - ideal zum Aussortieren der Bilder. Auch reicht die JPEG-Qualität für viele Anwendungen bei den meisten Motiven aus, so dass man schnell das JPEG weiterverarbeiten kann. Und für den Fall der Fälle hat man immer noch das “Negativ” in maximaler Qualität als RAW-Datei. Das sind dann in Summe zwar gut und gern 30 MByte pro Aufnahme - aber externe Festplatten mit 500 GByte oder gar 1 TByte kosten heute ja fast nichts mehr. :o))